Boxkampf und häusliche Gewalt

“Der absichtliche Gebrauch von angedrohtem oder tatsächlichem körperlichem Zwang oder physischer Macht gegen die eigene oder eine andere Person, gegen eine Gruppe oder Gemeinschaft, der entweder konkret oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklung oder Deprivation führt.”

Gewaltdefinition der Weltgesundheitsorganisation

 

Das Thema Gewalt zu definieren ist gar nicht so einfach. Hier liest Du einen Versuch der WHO. Ziel war es, eine einheitliche Definition zu schaffen um das Thema greifbar und damit letztendlich auch beherrschbar zu machen.

Kein schlechter Ansatz, doch für unsere Zwecke fehlt hier ein ganz entscheidendes Kriterium: Der Konsens.

Denn: Dieser Definition folgend, wäre der professionelle, sportlich ausgetragene Boxkampf eine Form von Gewalt. Gewalt wäre damit olympisch.

Lass uns doch mal schauen, was passiert, wenn wir diese Definition auf den Selbstschutz übertragen.
Und Vorsicht: Vielleicht trainierst Du ja schon für die falschen Probleme.

Gewalt und Konsens

Wie die WHO es getan hat, so macht es auch für uns Sinn, sich zu fragen, was man denn mit einem Selbstverteidigungstraining erreichen will. Oftmals höre ich etwas wie: 
„Ich möchte sicherer und auch fitter werden“ – quasi Sport mit Mehrwert. 

Doch was bedeutet „sicherer“ für Dich? Hast Du eine konkrete Gefahr für dich formuliert? Was siehst Du vor deinem inneren Auge wenn du das Wort „Gewalt“ hörst?

Gewaltlagen zeichnen sich dadurch aus, dass eben kein Konsens vorliegt. Der Täter entscheidet alleine, ob und wie es krachen wird. Wenn es dann losgeht, so ist oftmals ein starker Vorwärtsdruck beobachtbar. 

Sobald beide Beteiligten in einen Konflikt einstimmen, kann man einen Wechsel der Dynamik beobachten. Der kompromisslose Vorwärtsgang eines Gewalttäters wird zu einem sportlich anmutenden Gehopse. Die Beteiligten nehmen eine Deckung ein und Flucht steht nicht weiter auf dem Plan.

Diese komplett unterschiedlichen Dynamiken, benötigen natürlich auch jeweils unterschiedliche Kompetenzen und damit einen unterschiedlichen Trainingsschwerpunkt. 

Tactical Takeaways

  • Dein Ziel darf nicht der Konflikt, sondern das Entkommen oder Überstehen eines solchen sein.
  • Achte darauf, dass Gewalt nicht aus einzelnen Techniken besteht. 
    Gib deinem Training ein Szenario.  
  • Führst Du die Technik aus einer vorher eingenommenen guten Position aus? 
    Trainiere aus einer „Off-Balance“-Position. Oder noch besser: Trainiere aus einer Situation wie z.B. einer Gesprächslage.
  • Wähle beobachtbare Szenarien. Schau dir an, wie Menschen bereits reagiert haben. Besteht dein Training aus etwas, was noch nie ein Mensch in einer solchen Situation getan hat… nun ja, dann ist es unwahrscheinlich, dass Du so reagieren wirst.
Category
Tags

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.