Karate, Taekwondo, Kung Fu, Boxen – ob Kampfkunst oder -sport es gibt fast immer eine bevorzugte Kampfhaltung. Geballte Fäuste in der Doppeldeckung, Hände seitlich eingedreht oder wippende Fußbewegungen. Es gibt nichts, was es nicht gibt. 

Doch macht dies auch Sinn in einer Selbstverteidigungssituation? 

Unterstellen wir mal, dass der Sinn einer speziellen Kampfhaltung ist, sich optimal auf einen Angriff vorzubereiten. Man stellt Kampfbereitschaft her. 

Hier ergibt sich schon eines der großen Probleme.

Diese Kampfbereitschaft ist sichtbar!

Stell Dir vor, Du wirst angegriffen, verteidigst Dich erfolgreich und stehst kampfbereit vor dem am Boden liegenden, verletzten Angreifer. In diesem Moment kommt eine später als Zeuge fungierende Person um die Ecke. Was für ein Bild drängt sich hier auf? 

Weniger offensichtlich, aber fast noch wichtiger: Es geht nicht nur um potenzielle Zeugen, sondern auch um dein eventuell gewaltbereites Gegenüber. Nimmst Du in einer hitzigen Diskussion eine als gewaltbereit erkennbare Haltung ein, so reagiert auch dein Gegenüber – wenn auch nur unbewusst. Wir kämpfen zum Glück deutlich weniger als wir uns streiten – dies sollte so bleiben. Nimm Dir selbst nicht die Möglichkeit einer Gewaltlage auszuweichen.

Eine Kampfhaltung soll Dir ermöglichen bestmöglich zu reagieren. 

Es macht Sinn: Hast Du die Hände erhoben, so müssen sie einen kürzeren Weg zum Angriff oder Verteidigung zurücklegen. Aber braucht es dafür eine Kampfhaltung? Wechselst Du in eine Auslage, reagiert der potenzielle Angreifer darauf. Deine Chancen werden schlechter. Warum also nicht einfach eine nicht aggressive Körperhaltung einnehmen, welche es erlaubt die Hände oben zu haben? Du kommunizierst am besten, wenn deine Aussage und deine Körpersprache zusammenpassen. Erhobene, beschwichtigende Hände und eine ernstgemeinte Entschuldigung passen zusammen. Zeitgleich hat dein Körper eine gute Ausgangsposition, um zu agieren. 

Wann nimmst Du eine Kampfhaltung ein?

In der Kampfkunst wird üblicherweise für jede Übung eine spezielle Haltung eingenommen. Im Kampfsport zu Kampfbeginn. Dies ist eine gewisse Form von Luxus: Man kennt mehr oder minder das genaue Zeitfenster der geplanten, bevorstehenden Gewaltanwendung. In einem tatsächlichen Konflikt kennst Du leider nicht den genauen Ausgang. Vielleicht trennen sich die Streitparteien nach dem Austausch liebgemeinter Mutmaßungen was die Mutter des jeweils anderen letzte Nacht so getrieben hat oder es fliegen die Fäuste – alles ist möglich. Gehst Du vor dem körperlichen Aspekt in eine erkennbare Haltung, trägst Du zur Eskalation bei. Ist die Lage bereits aus dem Ruder gelaufen, so ist es schwer denkbar in eine Haltung zu wechseln – dies setzt Zeit dafür voraus. Hat man solche, empfiehlt es sich diese z.B. für ein Fluchtfenster zu nutzen. 

Trainingstipps

  • Trainiere aus einer neutralen, nicht aggressiven Haltung.
  • Stell Dir eine Gesprächssituation vor – stehst Du hier in einer Auslage? Wie steht dein Trainingspartner? Würdest Du dich mit jemanden unterhalten, der so steht? Oder hast Du gerade sogar schon einen Vorkontakthinweis (pre-attack cue) entdeckt?
  • Begib dich doch mal absichtlich in eine ungünstigere Position (off balance) – schließlich kannst Du dir dies im Ernstfall auch nicht aussuchen.
  • Wenn Du dich im Rahmen eines dynamischen Drills oder Szenario vom Täter löst, so achte immer auf die Eigensicherung, aber vermeide fixe Kampfhaltungen. 
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